Playlist (Mixed Styles)





Interview mit DJ Aroma




  • Die elektronische ist bisweilen die wohl am buntesten ausgeprägte Stilrichtung der modernen Musik. Im Gespräch mit DJ Aroma möchte ich mit euch deswegen einen Blick in die eher unbekannten Sparten des „Techno-Universums“ werfen.
    Danke erst mal, dass du dir die Zeit nimmst. Die Styles der elektronischen Musik an sich sind ja so vielfältig wie unterschiedlich, einen Künstler dann in eine Schublade zu stecken ist entsprechend schwierig. Wie genau, und dass natürlich ohne Schubladen, würdest du deinen Style beschreiben?
    Ich glaube ich spiele Deep House , vielleicht etwas minimal, vielleicht auch Techno, so genau kann ich das nicht sagen, es ist eine wilde Mischung, electronic Wildstyle wäre wohl passend nur das gibt’s ja nicht im Plattenregal. Ein Typ hat nach dem Fusion Set auf der Turmbühne gesagt er hat noch nie so freundlich den Hintern versohlt bekommen, das trifft es wohl am besten.
  • Du selbst bist ja schon weit über ein einem Jahrzehnt als Künstlerin aktiv und hast in den Jahren auch die Verschiebungen in der Szene und den Clubs erlebt. Inwieweit hat diese Entwicklung dich und deinen Stil geprägt und wie hat sich deine Rolle in dieser sich verändernden Szene entwickelt?
    Für die Szene aus der ich komme war Techno eine Befreiung von der kommerziellen Radiomusik , also ein künstlerisch -ästhetisches ding, viel mehr als heute. Damals gab es noch Ambient räume weil Veranstalter viel mehr auf Details als auf Geld achteten. Heute wird meistens irgend ein Name gebucht, nicht mal dessen Musik sondern dessen Bekanntheit und die Leute kommen. Die Veränderung ist also das Publikum wie Veranstalter gleichermaßen und die jungen Kids wollen erstmal überhaupt auflegen, denen kann man am wenigsten einen Vorwurf machen. Das Ergebnis ist aber für meine Ohren zu angepasste Musik. Das läuft durch und ist wie Fertigessen, macht satt, schmeckt auch irgendwie , ist aber so ununterscheidbar wie ne` deutsche Fußgängerzone. Ich bin bei meiner Freakszene geblieben, in meinem Umfeld in Berlin geht das auch wunderbar, wir haben hier glücklicherweise noch so Freiräume wie die Ritterbutzke, wo ich Resident DJ bin oder den Kater Holzig, der auch sehr unterschiedliche Kunstformen auch politisch vereint. Die haben ja jetzt sogar eine Genossenschaft. Ich weiß noch am Anfang , als ich in der Panorama Bar Resident DJ war , war das dort auch noch sehr experimentell und wahrscheinlich setzt sich dieser Partymythos aus den ganzen wilden Dingen zusammen, die damals ihren lauf nahmen..
  • Mit Wankelmut und Klangkarussell haben es zuletzt gleich zwei Künstler, deren Releases eher im „Underground“ eingeordnet werden, geschafft, einen Titel in den Single-Charts ganz oben zu platzieren. Wie bewertest du diese Entwicklung und welchen Einfluss hat sie auf dein Schaffen?
    Eigentlich keinen, da das wohl finanziell interessant ist aber was habe ich davon unglücklich auf so einer Mallorca Party zu stehen und da 5000 Leute unterhalten zu müssen, die mich auf der Strasse als Freak beschimpfen würden. Ich kann /will das nicht, weil ich mich solche Situationen eher fertig machen . Ich will keine Partys wo sich die Leute sinnlos betrinken und die Musik nur Hintergrundbeschallung ist. Das muss als Gesamtkonzept stimmen und das wird schwierig wenn man in so ein Hit Fahrwasser gerät. Ich glaube wenn ich so einen Hit produzieren würde, würde ich eine Showtruppe herumschicken. Aber ich gönne es Klangkarussell, die Nummer ist großartig, und was können sie dafür wenn sich auch mal großartige Musik im breiten Pop Markt durchsetzt...
  • Dein letztes eigenes Release liegt inzwischen drei Monate zurück, hast du schon schon was Neues in der Pipeline?
    Ja, ich bin momentan die Remix wahnsinnige. Ich mache durchschnittlich im Monat zwei Remixe und habe so einen Spaß dabei. Gerade ist der Pitu Leiva Remix von einem argentinischen Künstler raus und bekommt super Kritiken. Und dann habe ich noch für einen jungen Künstler aus Hannover was gemacht, mit dem ich nächstes Jahr ein paar Gigs spielen werde, Robin Raubvogel heißt der. Ja und dann habe ich für das spanische Galaktika Label eine Nummer von Maurice Aymard gerimixed, die kommt auch bald raus. So ist ja auch die Anfrage damals von den Schweden für das Album gekommen, ich habe einfach einen guten Remix für die gemacht und so wurden die auf den DJ aroma Stil aufmerksam...
  • Du bist nicht nur DJane, sondern vielmehr auch Labelinhaberin. Kannst du uns erklären, was dich dazu bewogen hat, ein eigenes Label ins Leben zu rufen?
    Das war irgendwie eine Notwendigkeit, da ich oft Schwierigkeiten hatte besondere Musik zu finden, für meine Ohren klang vieles viel zu gleich. Auch nicht anders als beim Delikatessen Laden, der einfach seine Lieblingssorte Wein haben will und wenn es die nicht zu kaufen gibt muss er sie eben selbst verkaufen.
  • Sowohl aromamusic als auch WAAP releasen digital, viele kleinere Labels wagen inzwischen den Schritt zurück zur Vinylschalplatte. Kannst du dir das auch vorstellen oder stehst du dem eher skeptisch gegenüber?
    Wir machen schon manchmal physische Produkte aber ich will die ganzen Vinylfreaks mal sehen wenn es um das kaufen geht. Eine erfolgreiche Vinylmaxi verkauft heutzutage maximal 300 Stück, wo soll ich da noch was verdienen , da gehen Künstler und Label leer aus. Außerdem ist die GEMA für physische Produkte ganz schön teuer....
    Ich finde ja schon aus Gründen der CO2 Bilanz sollte man auf Vinyl verzichten. Und der Klang ist heute im Digitalen viel besser als im Vinyl. Vinyl kann z.B. tiefe Bässe gar nicht abbilden und dann auch nur Mono in bestimmten Bereichen. Ich arbeite aber gerne mit Tiefbässen und in Stereo, also geht mir beim Vinyl schon mal was vom Hörgenuss verloren. Und wenn ich gute Wandler in meiner Soundkarte habe und .wav Files spiele, dann ist der Klang definitiv besser. Welches Vinyl klingt schon 1 zu 1 wie das Original .wav, das schaffen nur ganz wenige sehr gute Vinylcutter. Vielleicht ist das der Vinylmythos, dass die Jungs beim schneiden echt was von Ihrem Handwerk verstehen müssen und damit so manch flauer Track erst gut klingt wenn er durch diesen Prozess gegangen ist...
  • Mit einem Blick auf deine Erfahrungen als Labelinhaberin, welchen Rat würdest du jungen Künstlern geben, die vielleicht auch mit dem Gedanken einer Label-Gründung spielen?
    Überleg dir einen „richtigen“ Job zu machen oder BWL zu studieren. Aber mal im ernst, ich würde das heute nur anfangen wenn ich rechnen kann, diszipliniert arbeite und mit einer Menge unzuverlässiger Leute umgehen kann. Künstler können ganz schön anstrengend sein. Die denken, sie machen eine gute Nummer und dann sind sie gefragte Djs. So ist das nicht, das funktioniert nur ganz selten. Labelarbeit ist arbeit, Kontinuität, Bürojob, nicht nur cool nachts rumhängen, damit kommt man nicht weiter. Wir sind bei Waap 3 Leute plus mehrere , die uns zuarbeiten, und das ist der einzige Weg so ein Projekt erfolgreich auf den Weg zu bringen. Ansonsten geht man in der Masse der Labels unter.
  • Auf deinem Facebook-Profil hast du dich, wie viele andere DJs auch, gegen die GEMA-Tarifreform ausgesprochen. Nach umstrittenen neuen Tarifen für Clubs hat die GEMA nun auch eine Novellierung der „Laptop-Pauschale“ angekündigt. Wie stehst du dazu und denkst du, dass auch diese Änderung die deutsche Szene deutlich verändern wird?
    Die GEMA ist eine zwei Klassengesellschaft. Solange die Trennung zwischen -stimmberechtigen- ordentlichen Mitgliedern und den anderen Mitgliedern ohne Stimmrecht besteht wird sich nie ewtas richtig ändern. Ehrlich, ich hoffe denen Fliegt durch die EU Normen der Laden so um die Ohren weil wir endlich alle keine Zwangsmitglieder mehr bei einem quasi Monopolisten sein müssen, sonst werden uns immer nur die Brosamen bleiben.
     Ich habe dazu ein Manifest geschrieben, das steht auf meiner Internetseite, ich freue mich wenn jemand Lust hat das zu Lesen und auch als nicht Künstler versteht worum es eigentlich geht. Die Tarifreform ist nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat und wo nun endlich mal alle sehen wie ungerecht das ganze GEMA System funktioniert.
  • Vielen Dank noch mal, dass du dir Zeit für uns genommen hast. Bevor ich jetzt aber zum Schluss komme, würde ich dich noch bitten, die folgenden Sätze zu vervollständigen.
    Hej, vielen Dank fürs Fragen stellen :)
  • Ein guter Tag beginnt für mich… mit einer großen Tasse türkischem Tee, ich wohne in Kreuzberg.
  • Wenn ich selber einmal feiern möchte, gehe ich… gerne auf illegale Open Airs, an den Strand mit einem guten Soundsystem, und in diverse wilde Kaschemmen in Berlin, die man nicht auf den Touristischen Plattformen findet, wo aber jeder willkommen ist der mehr Djs als Ikarus oder Guetta kennt....
  • Mein absoluter Lieblingstrack ist… what is soul von den Stereo Mcs
  • 2013 wird mein Jahr, weil… wir den Weltuntergang einfach weggefeiert haben und wir beim Label schon soviel gutes Material fürs ganze Jahr haben, dass wir ein neues Label gründen werden. Aber mal im ernst, Glück und Zufriedenheit sind Dinge die kommen weil man sich mag, weil man das Umfeld in dem man Lebt mag und weil man von guten Leuten umgeben ist. Solange ich die Freiheit habe so zu Leben wie ich es für richtig halte ist alles fein.


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DJ Aroma auf Soundcloud  
DJ Aroma Website Grafik: derFlo
Am 05.01.2013 um 14:00 Uhr von derFlo


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  #5   whitenite 06.01.2013 15:39   
ich schließe mich an, schönes Interview ;)
  #4   Blue Moon 06.01.2013 11:24   
Geilstes Interview bisher. Bis auf das mit dem Finül *grinz* spricht sie mir da sehr aus der Seele. Und endlich mal andere Fragen wie sonst immer.....Daumen hoch.
  #3   derFlo 05.01.2013 15:00   
Oh, danke! Der Link ist korrigiert ;)
  #2   death-lord 05.01.2013 14:58   
Der Facebook Link funktioniert nicht richtig
  #1   Tonninski 05.01.2013 14:02   
"Überleg dir einen „richtigen“ Job zu machen oder BWL zu studieren." :D

Richtig gutes Interview :)




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